Ich will die Taube auf dem Dach sein
Was motiviert Menschen eigentlich dazu, ihre Komfortzone zu verlassen, um etwas zu wagen, das ihr Leben verändert? Die Hamburger Künstlerin Steffi Böhnke alias Fräulein Frey fasziniert es, wenn Menschen alles in Frage stellen und hat sich nun ein ganzes Album für dieses Thema genommen, das von couragierten Schritten und forschen Sprüngen erzählt. Unter dem Titel „Ein Wagnis‟ changiert sie in acht Liedern zwischen empfindsamem Singer-Songwriter-Folk und schmissigem Pop.
Ein Wagnis ging Steffi Böhnke selbst vor einigen Jahren ein als sie ihren sicheren bürgerlichen Vollzeitjob kündigte, um sich ganz ihrer Kunst zu widmen. Sie wollte keine halben Sachen mehr und veröffentlichte 2017 ihr Debütalbum „Hallo Leben‟ mit eigner Band auf dem eigens gegründeten Label Janetomat Records. Neugierig, wie sie ist, wollte sie als Fräulein Frey auch erkunden, was es anderen bedeutet, vermeintlich verwegene Entscheidungen zu fällen. Also stellte sie Fragen: Was war dein größtes Wagnis? Warum bist du es eingegangen? Was hat das mit dir gemacht? Denn es ist meist kein leichter Schritt. Auf ihrem Album lotet die Künstlerin deshalb auch die gesellschaftlichen
Gründe aus, weshalb viele eher in einer Misere verharren anstatt sich selbst zu ermächtigen. »Während der Arbeit an den Texten zu meinem Album bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass Leute entweder aus Abenteuerlust aufbrechen oder aus Verzweiflung heraus, wenn sich ihr Leben festgefahren hat«, erläutert Fräulein Frey. Allen Mutigen gemein sei jedoch der Abschied von sicher geglaubten Gewissheiten. »Nach einer Phase des Zweifelns und Ausprobierens kommt bei vielen irgendwann dieser Kippmoment. Wie eine Eingebung. Und ab da setzt eine besondere Dynamik ein.
Eine Art tiefes Vertrauen, dass sich die eigene Vision umsetzen lässt, auch wenn Hürden
auftauchen.« Fräulein Frey nennt das: »ein Gefühl von Stimmigkeit«.

Ganz im Sinne eines Abenteuers entschied sie sich, hin zu interdisziplinärer Offenheit, gegen die geradlinige Strategie ausschließlich ein Album herauszubringen. Sie traf Menschen, die ihr Leben bereits tapfer umgekrempelt haben. Die mit dem Rad auf Weltreise gingen, die in der Fremde von vorne anfingen, die ihr Liebesleben neu entdeckten. Nach diesen Gesprächen schrieb sie neun „Wagnis-Porträts‟, die durch eindringliche Charakterstudien der Fotografin Mirjam Kilter zusätzliche
Intensität erlangen. Mit ihren neuen Songs, mit den bewegenden Texten und Bildern lädt Fräulein Frey künftig zu „Wagnis-Abenden‟. Also zu einem neuen anregenden Veranstaltungsformat für alle Sinne. Für alle Mutigen. Und für all jene, die mutig werden wollen.

Fräulein Frey
»Die Musik musste echt lange an meine Tür klopfen, bis ich sie endlich ernsthaft rein ließ. Als Älteste von drei Geschwistern wuchs ich auf einem kleinen Hof an der
Mecklenburger Ostsee auf. Was da zählte, war Pragmatismus. Kunst war außerhalb dieses Lebenswelt Radars. Doch die Musik hat mich gefunden und ich entdeckte mich in ihr. Sie ist die bestmögliche Art mich auszudrücken und somit eine Form der Befre(y)iung.
So richtig mutig in meine richtige Richtung habe ich mich erst mit Mitte 30 bewegt, als ich meinen Vollzeit Job kündigte, meine Ersparnisse nahm und als Fräulein Frey den Weg in die professionelle Musikwelt wagte. Es warteten Höhen und Tiefen auf mich. Ich habe gelernt, dass Hinfallen dazugehört, man darf nur nicht vergessen, wieder aufzustehen. Die Katastrophe liegt nicht im Scheitern, sondern darin, es nicht versucht zu haben.«